Welcome to WiN

Am 25.05.2016 war das Filmteam der Deutschen Welle auf dem Gelände der DEULA Westfalen-Lippe GmbH um einen Beitrag über unsere Flüchtlingsmaßnahme Welcome to WiN - Work in Nature zu produzieren.

Hier sehen Sie den  Film auf youtube.

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31.07.2017

Ladungssicherung - Alles ist Ladung

Wird von Ladung gesprochen, denkt man zuerst an Gütertransport über weite Strecken und mit großen Lkw. Aber auch Fahrzeugzubehörteile, Werkzeuge und vieles mehr ist Ladung und zu sichern

Nach zu hoher Geschwindigkeit und zu geringem Sicherheitsabstand gilt ungenügende Ladungssicherung als Unfallursache Nummer drei dort, wo Güter transportiert werden. Erfahrungen zeigen, dass nur ein Viertel der Fahrzeuge eine ordnungsgemäß gesicherte Ladung transportieren. Vier von zehn Fahrern gefährden andere Verkehrsteilnehmer. Bei jedem dritten Lkw wird kaum oder gar nicht gesichert, so dass die Ladung selbst Schaden nehmen kann. Die Bedeutung der Ladungssicherung schlug sich in der Etablierung eines eigenen Moduls im Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz nieder. Nur ist nicht jeder, der sichern muss auch per Gesetz zur Fortbildung verpflichtet, was allerdings niemanden aus seiner Verantwortung entlässt.

Ladungssicherung durch Formschluss

Die Ladungssicherung eines Kommunalbetriebes ist nicht immer mit der im gewerblichen Stückguttransport zu vergleichen, bedient sich aber im gleichen Instrumentarium. Es gelten die Prinzipien der formschlüssigen sowie der kraftschlüssigen Ladungssicherung. Erste ist die einfachste Möglichkeit der Sicherung. Das Ladegut wird so gestaut, dass es sich an Aufbauteilen wie den Bordwänden abstützen kann. Schüttgüter, zu denen z. B. auch Abfälle in Säcken gezählt werden können, sind üblicherweise in dieser Art gesichert, wenn ein ausreichender Abstand zur Oberkante der Bordwand gegeben ist und ein Verlust von Ladung durch Plane oder Netz ausgeschlossen wird.

Ein Formschluss kann jedoch ebenso durch Zurrgurte und weitere Hilfsmittel hergestellt werden. Festlegehölzer und Leerpaletten können erfolgreich eingesetzt werden. Auch Sperrstangen sind üblich. Schräg- und Diagonalzurren gehören im Gegensatz zum Niederzurren ebenfalls zu den Methoden, die einen Formschluss bewirken. Die Ladung muss an allen Seiten fest mit dem Anhänger oder der Ladefläche verbunden sein. Fahrzeug und Ladung werden eine Einheit und Kräfte wirken auf das Gesamtsystem. Zurrmittel dürfen bis maximal 50 Prozent ihrer Sicherungskraft vorgespannt werden. Die Anzahl der zu verwendenden Zurrmittel hängt neben dem Gewicht des Ladegutes von der Festigkeit des Gurtes und in erheblichem Maße von den Winkeln ab (siehe Beispielrechnung).

Ladungssicherung durch Kraftschluss

Die Herstellung eines Kraftschlusses zwischen Ladegut und Fahrzeug wird allgemein als „Niederzurren“ bezeichnet. Bereits durch den Stand der Ladung auf der Ladefläche entsteht Haftreibung, die jedoch geringer ist, als die potenziell auftretenden Kräfte (siehe Kasten). Wird das Ladegut durch Zurrmittel zusätzlich an die Ladefläche gepresst, erhöht sich auch die Haftreibung. Niederzurren wird in der Praxis häufig ohne Kenntnis der tatsächlichen Bedingungen eingesetzt. Bei z. B. hohem Gewicht der Ladung und geringen Reibwerten ist es erforderlich, die Anzahl der Zurrmittel zu erhöhen, was oftmals unterbleibt. Zurrkräfte können rechnerisch oder anhand einer grafischen Darstellung ermittelt werden. Um den Sicherungsaufwand festzulegen, ist stets eine Berechnung der Mittel erforderlich. Beim Niederzurren ist darauf zu achten, dass die ermittelten Vorspannkräfte nicht den zulässigen Zugkräften des Spanngurts gleichgesetzt werden. Auch hier gilt, dass die maximale Vorspannung nur die Hälfte der zulässigen Zugkraft des Zurrmittels entsprechen darf.

DEULA Expertentipp

Beim Transport wirken unterschiedliche Kräfte (Beschleunigungs-, Verzögerungs-, Fliehkräfte) auf die Ladung. In Bezug auf die Ladungssicherung müssen insbesondere die Massen und Reibungskräfte berücksichtigt werden. Der § 22 Abs. 1 StVO weist hier auf die Regeln der Technik hin, die in der VDI-Richtlinie 2700 beschrieben sind. Für die Berechnung der Ladungssicherung wird davon ausgegangen, dass 

  • bei einer Vollbremsung eine Kraft von der Ladung nach vorn wirkt, die    80 Prozent des Ladungsgewichts entspricht
  • beim Befahren von Kurven und bei Ausweichmanövern eine Kraft zur Seite wirkt, die 50 Prozent des Ladungsgewichts ausmacht
  • beim Anfahren und Beschleunigen (sowie Vollbremsung bei Rückwärtsfahrt!) eine Kraft nach hinten wirkt, die 50 Prozent der Ladungsmasse entspricht.

In einem Kommunalbetrieb ist in der Regel die Vielfalt der Ladungen begrenzt, so dass sich die Sicherung der gängigen Ladungen zum Beispiel in Schaubildern darstellen lässt. Wie ist eine Gitterbox bis 750 Kilogramm zu sichern? Wenige Beispiele anschaulich dargestellt, ermöglichen es dem eingewiesenen Personal, fachgerecht zu sichern. Wird darüber hinaus einem Mitarbeiter die Zuständigkeit für ordnungsgemäße und intakte Zurr- und Hilfsmittel übertragen, kann Ladungssicherung zur Selbstverständlichkeit werden.

Wichtig: Auch wenn Zuständigkeiten delegiert werden, ist niemand von einer Verantwortung und gegebenenfalls Haftung befreit.

Beispiel einer ordnungsgemäßen Sicherung

Beispielhaft soll hier die formschlüssige Sicherung einer Gitterbox mit einem Gewicht von 750 kg beschrieben werden. Es soll diagonal gezurrt werden. Dies kann je nach Möglichkeiten und Platzangebot in der Weise geschehen, dass es an ein X bzw. ein V erinnert. Die wirkenden Kräfte werden in Dekanewton (daN) angegeben. Gerundet entspricht 1 daN der Gewichtskraft von 1 kg. Bei einer Vollbremsung ergibt sich die stärkste Kraft von 600 daN (750 x 80 %). Es kann die Wirkung der Haftreibung abgezogen werden. Diese wird als ? bezeichnet und üblicherweise entsprechenden Tabellen entnommen. Bei ? 0,3 können 30 Prozent abgezogen werden. Es verbleibt eine abzusichernde Kraft von 375 daN. Seitlich und rückwärtig müssen 50 Prozent abgesichert werden, was  unter Berücksichtigung des gleichen Reibwertes 150 daN ergibt.

Der Neigungswinkel zwischen Zurrmittel und Ladefläche (?) soll innerhalb des Toleranzbereichs von 30° und 60° liegen, Der Winkel, den das Zurrmittel vom Anschlag Ladefläche zum Anschlag Ladegut von der Längsrichtung abweicht, wird ?x genannt und soll im Toleranzbereich 20° bis 45° liegen. Die Zurrmittel dürfen maximal bis 50 Prozent ihrer Sicherungskraft vorgespannt werden. In diesem Fall wird man auf vier Zurrgurte zurückgreifen, weil es sich um eine kleine Ladung handelt. Jede Kraft verteilt sich dabei rechnerisch auf die beiden ihrer Wirkrichtung gegenüberliegenden Gurte.

Alle relevanten Daten müssen auf den Herstelleretiketten verzeichnet sein. Rutschhemmende Matten erhöhen den Reibwert erheblich.

 

 

DEULA INSIDE

Das Magazin für berufliche Bildung und Qualifikation

Ausgabe 2017-2

  • Agrartechnik
  • Berufskraftfahrer- qualifikation
  • Kommunaltechnik

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