DEULA Freren Fachforum Biogasanlagen 2010/11

Potenziale, Perspektiven und Persönlichkeiten

„Bunte Felder für Biogas“Betreiber landwirtschaftlicher Biogasanlagen sprechen sich auf dem DEULA Forum für eine Balance zwischen Nahrungsmittel- und Energieproduktion aus


Bereits zum zweiten Mal fand am Freitag, 22. Oktober 2010 das DEULA Freren Fachforum Biogasanlagen 2010/ 11 in Freren statt. Das Motto war Perspektiven, Potenziale und Persönlichkeiten. Namhafte Referenten aus Politik, Wissenschaft und Praxis informierten über Perspektiven und diskutierten mit den ca. 100 Betreibern von landwirtschaftlichen Biogasanlagen über Handlungsfelder und Potenziale.
Dipl.-Ing. Mathias Kirchhoff, Geschäftsführer der DEULA Freren, schilderte in seiner Begrüßung und Einführung, dass sich unsere Region rund ums Emsland vom Münsterland über Osnabrück und Cloppenburg bis Ostfriesland mit den derzeitig ca. 400 Biogasanlagen zu einem wahren Hot-Spot in Sachen erneuerbare Energien durch Biogas entwickelt hat. Er erklärte weiter, dass der dynamische Ausbau auch negative Entwicklungen mit sich gebracht hat. In diesem Zusammenhang wurden die Stichworte Vermaisung, Flächenkonkurrenz und Gärrestverwertung hervorgehoben. Diese Themen sollen von Betreibern, Wissenschaft, Firmen, Verbänden, Weiterbildungseinrichtungen und Politik aktiv angegangen und gelöst werden.

Mitglied des Bundestages, selbstständiger Landwirt und Biogasanlagenbetreiber Johannes Röring, Vreden, Landkreis Borken betonte in seinem Beitrag „Politik und Praxis“ die Balance zwischen Nahrungsmittel- und Energieproduktion für die Landwirtschaft. Dem Biogas komme in dem Energiekonzept der Bundesregierung eine bedeutende Rolle zu. Grundsätzliche werde im novellierten EEG 2012 der erneuerbaren Energie Vorrang vor den anderen Energieträgern eingeräumt. Er sprach über Akzeptanzprobleme in der Gesellschaft, dem Wettbewerb über Fläche und Standorte und plädierte für einen offenen Umgang mit diesen Thematiken. Die Fehlentwicklungen dürfen nicht die positiven Perspektiven, z.B. dezentrale, erneuerbare Stromerzeugung, regionale Wirtschaftskreisläufe und landwirtschaftliche Wertschöpfung überlagern.

Das Thema „Energiepflanzen- Entwicklungen beim Mais und Chancen für Alternativen" griff Frau Dr. Rottmann- Meyer vom 3-N-Kompetenzzentrum, Werlte auf. Frau Dr. Rottmann- Meyer erläuterte in ihrem Beitrag Versuche mit Mais-alternativen wie Zuckerrüben, Gras, Hirse, Sudangras oder Sonnenblumen. Die Ergebnisse sind sehr Erfolg versprechend, brauchen bis zur praxisreife aber noch einige Zeit. Rottman-Meyer konnte aber durchaus konkrete Maßnahmen vorstellen, die kurzfristig deutliche Verbesserungen versprechen. Diskutiert wurden die Maßnahmen „Bunte Felder für Biogas“ eine Initiative der Jägerschaft, Landwirtschaftskammer und 3N; „1.000km-Blühstreifen“; die Anlage von Huderstreifen, Lerchenfenster und weitere Wildschutzmaßnahmen.

Im Forumfachgespräch wurden Erfahrungen und Erwartungen ausgetauscht. Hierzu standen Ernst Mönster, Betreiber einer Biogasanlage aus Lengerich, Günter Wildermann, Betreiber einer Biogasanlage aus Freren, Johannes Röring und Frau Dr. Marie-Luise Rottmann- Meyer Rede und Antwort. Moderiert wurde das Forumfachgespräch zu den Handlungsfeldern Energiepflanzen, Anlagentechnik, rechtliche Rahmenbedingungen und Qualifizierungs- und Arbeitskräftebedarfe von Jan Wulkotte von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Herrn Kirchhoff.

Nach dem Mittagessen in der Kantine der DEULA Freren wurde das zentrale Thema „Mikrobiologie: Perspektiven und Potenziale unter dem Mikroskop“ von Herrn Dr. Manfred Bischoff behandelt. Bei einer Biogasanlage handelt es sich um eine Massentierhaltung, nämlich eine riesige Masse unterschiedlicher Bakterien, für die der Betreiber eine sehr individuelle Steuerung übernehmen muss. Die Wirkung und den Nutzen von Spurenelementen und Enzymen stellt Bischoff in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Grundsätzlich muss jeder Betreiber die spezifischen Parameter seiner Anlage kennen, um die Effizienz gewährleisten zu können.

Zu den Potenzialen und Perspektiven in Bezug auf die Anlagentechnik referierte Christof Gers-Grapperhaus. Die wichtige Thematik Effizienzsteigerung bei Biogasanlagen lässt sich nur über die gesamte Prozesskette von der Ernte- und Siliertechnik, über Einbring- und Rühreinrichtungen bis zur Gärrestausbringung behandeln. Zu den verschiedenen Bereichen konnte Gers-Grapperhaus den Betreibern wichtige praktische Tipps mit auf den Weg geben. Betont wurde ausdrücklich das sorgfältige Abdecken des Substratlagers.

Herr Elmar Brügging von der Fachhochschule Münster, Steinfurt referierte zum aktuellen Stand der Gärrestaufbereitung. Hierzu stellte  Brügging konkrete Ergebnisse aus verschiedenen Projekten vor.
Abgerundet wurde das Fachforum durch eine Firmenausstellung mit ausgewählten Angeboten zur Optimierung von Biogasanlagen. So hatten die Gäste die Möglichkeit sich während der Pausen bei den Firmen zu verschiedenen Themen zu informieren.

Ein Teilnehmer zum Abschluss: „Keine Veranstaltung in der Region bietet mehr wichtige Anregungen und konkrete Tipps in solcher Atmosphäre für die Betreiber landwirtschaftlicher Biogasanlagen. Den Termin für das nächste Forum habe ich mir bereits vorgemerkt.“


Bild (alle Rechte liegen bei der DEULA Freren, zur Veröffentlichung hiermit freigegeben)
Von rechts: Mathias Kirchhoff (DEULA Freren), Günter Wildermann (Landwirt, Betreiber), Ernst Mönster (Landwirt, Betreiber), Johannes Röring (MdB, Landwirt, Betreiber), Dr. Marie-Luise Rottmann-Meyer (3N), Dr. Manfred Bischoff (LUFA-Nord-West), Jan Wulkotte (LWK-Nds.), Christof Gers-Grapperhaus (LWK-Nds.)