Überbetriebliche Ausbildung in der DEULA Witzenhausen: Grüne Dächer und Fassaden im Focus

Selina Möller und Samira Busch: Ein Doppelinterview in der DEULA Witzenhausen für die AuGaLa Ausbilder-Info 04.2020

Grüne Fassaden und begrünte Dächer schaffen Lebensräume für Pflanzen und Tiere, sorgen für ein verbessertes Stadtklima und schützen die Wände und Dächer vor Witterungsextremen. Sie dämmen den Schall und sorgen gleichzeitig im grauen Einerlei der Städte für einen herrlichen Farbwechsel im Laufe der Jahreszeiten. Mit begrünten Dächern und Fassaden kann man kleine Paradiese mitten in der Stadt gestalten und so einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Sauerstoff- und Wasserhaushaltes leisten. Die DEULA Witzenhausen bietet in Hessen im Rahmen der Überbetrieblichen Ausbildung unter anderem auch den Wahlpflichtkurs „Kurs 08 – Begrünung von Bauwerken“ an. Was verbirgt sich hinter dem Kurs? Wie wird er von den teilnehmenden Auszubildenden gesehen? Dazu haben wir Selina Möller, Ausbilderin an der DEULA Witzenhausen, und Samira Busch, GaLaBau-Auszubildende bei der Stadt Sömmerda, befragt. Hier das Interview:

Selina, was ist das Besondere an dem neuen Kurs?

Selina Möller: Dieser Lehrgang zeigt den Teilnehmenden die vielfältigen Möglichkeiten der Begrünung von Fassaden und die unterschiedlichen Aufbauten verschiedener Dachbegrünungsarten in Theorie und Praxis auf. Die für die Fassadenbegrünung geeigneten Pflanzen werden im Kurs vorgestellt, geeignete Kletterhilfen und Rankelemente werden in der Theorie und Praxis verwendet. Dachaufbauten mit Dichtungsbahnen, Drainageschichten, Substratverwendung und Gestaltungsmöglichkeiten sind ebenso Themen wie das Vorstellen des Praxisprojektes durch die Teilnehmenden und Erkennen von Dachbegrünungspflanzen. Auf einer Übungsbaustelle stellen sich die Auszubildenden im 4er-Team gemeinsam der Aufgabe, eine Fläche mit Belägen und den hierfür spezifischen Materialien sowie eine begrünte Fläche auf und an einem Gebäude selbstständig herzustellen. Die ausgeführten Arbeiten werden in einem Bautagebuch festgehalten, um so den Auszubildenden die Notwendigkeit einer Baustellendokumentation näher zu bringen. Zur Vertiefung des Pflanzenwissens für die spätere Abschlussprüfung lernen die Teilnehmenden die Pflanzen sowohl mit ihren botanischen Namen kennen als auch auf der Übungsbaustelle fachgerecht zu verwenden. Die Kursteilnehmenden haben jeden Abend die Möglichkeit, sich die Pflanzen anzuschauen und die Pflanzennamen zu lernen. Wir machen es auch so, dass wir jeden Morgen eine kurze Wiederholung zum Thema Pflanze machen und intensiv das Schreiben, Lesen und Sprechen der Pflanzennamen üben. Dabei gehen wir auch immer wieder auf spezielle Bestimmungsmerkmale der Pflanzen ein. Alle Pflanzen stehen in einer Halle und sind mit einem Etikett beschriftet. Dort können sich die Lehrgangsteilnehmenden in den Lerngruppen oder auch einzeln treffen, sich die Pflanzen anschauen und die Pflanzennamen lernen. Als Lehrgangsziel errichten die Auszubildenden einen urbanen Platz mit Pflasterarbeiten, Terrassenbau, Objektbegrünung, Entwässerungsrinnen und bepflanzter Fläche als landschaftsgärtnerisches Gesamtwerk. Die Teilnehmenden stellen die Projekte jeweils der gesamten Gruppe vor. Hierdurch soll der selbstständige Vortrag in Vorbereitung der mündlichen Abschlussprüfung geübt werden.

Welche kreativen Momente hat der Kurs?

Selina Möller: Am Montag starten wir mit dem Thema Fassadenbegrünung. Da ist es so, dass die Auszubildenden ein Gebäude gezeigt bekommen, mit Nord-, West-, Süd- und Lernen am lebenden Objekt. Hier finden sich die Teilnehmenden schon in Gruppen zusammen und beginnen entsprechend der ausgewählten Gebäudeseite und den daraus resultierenden Licht- und Bodenansprüche mit der Bautechnischen Planung. Wird eine Wandverankerung benötigt? Falls ja, welche? Das müssen die Auszubildenden alles selbständig mit Hilfe von Katalogen aussuchen und entscheiden, welches Material sie nutzen wollen. Sie müssen die Stückzahlen aufschreiben und einmal grob die Kosten berechnen. Jedes Team stellt dann den skizzierten Baustellenentwurf mit Hilfe einer Dokumentenkamera der ganzen Gruppe vor. Gibt es Fragen dazu, dann müssen die Teilnehmenden ihre Arbeit auch verteidigen. Der zweite Punkt ist die Dachbegrünung auf der Übungsbaustelle. Dabei werden Pflanzen selbständig ausgewählt, die Pflanzung auf dem Papier geplant und auch praktisch umgesetzt.

Samira, was ist Deine Motivation zur Teilnahme an diesem Wahlpflichtkurs?

Samira Busch: In jedem Lehrgang kann man nur dazu lernen. Man kommt immer mit neuem Wissen zurück und ich finde das Thema sehr wichtig, weil ich im öffentlichen Bereich nicht so viel mit Dachbegrünung zu tun habe. Hier erfahre ich, wie eine Fassaden- oder Dachbegrünung aufgebaut ist, welche Pflanzen eingesetzt werden können, welche Sicherheitsvorschriften bei den Arbeiten zu beachten sind. Vielleicht habe ich in meinem späteren beruflichen Leben mit dem Thema zu tun und dann ist es doch gut, wenn ich auf meine in diesem Lehrgang erworbenen Kenntnisse zurückgreifen kann. Ich habe Bücher zu dem Thema gelesen, finde es sehr interessant und bei der DEULA kann man eh immer viel lernen. Und wenn so ein Lehrgang zu einem interessanten Thema angeboten wird, warum sollte man das Angebot nicht annehmen, wenn einem der Ausbildungsbetrieb die Möglichkeit dazu gibt.

Wie schätzt Du die Bedeutung des Themas für den Klima- und Umweltschutz ein?

Samira Busch: Na ja, wenn man darüber nachdenkt, ist Dachbegrünung ja wie ein neues Ökosystem auf einem Gebäude. Wenn man überall nur Stadt hat, gibt es dort zwar auch Grün- und Rasenflächen, in denen aber häufig die gleichen Pflanzen verwendet werden, dann ist das nicht wirkliche eine große Auswahl für Bienen und Vögel. Wenn man eine Dachbegrünung hat, kann man die Bepflanzung individuell auswählen. Und es ist schön, wenn man etwas Grünes hat in einer grauen Stadt, dann kommt vielleicht das Land ein bisschen zurück in die Stadt.

Gibt es hier Erfahrungen in deinem Betrieb mit dem Fassaden- und Dachbegrünung?

Samira Busch: Nein, Erfahrungen gibt es bei uns eher nicht. Wir machen überwiegend Pflegearbeiten im Stadtbereich, Baumschnitt, Pflasterarbeiten und Reparaturarbeiten an Straßen. Deshalb war es meiner Ausbilderin auch wichtig, dass ich an diesem Lehrgang teilnehme. Eine Begrünung der Dachflächen von Bushaltestellen, wie es sie schon in einigen Städten insbesondere in den Niederlanden gibt, kann ich mir schon vorstellen. Wenn das Thema Dach- und Fassadenbegrünung in den nächsten Jahren noch mehr an Aktualität gewinnt und wenn man darüber nachdenkt, dass Dachbegrünung ein großer Klimafaktor ist, könnte es auch ein Thema für Städte und Kommunen werden.

Wie schätzt Du die Nachfrage potentieller Kunden nach Fassaden- und Dachbegrünung ein?

Samira Busch: Dass die Nachfrage in Zukunft größer wird, kann ich mir definitiv vorstellen. Viele Menschen streben immer mehr zum Neuem, Größerem, Modernem, aber mittlerweile auch immer mehr in die Natur. Wir merken, dass der Klimawandel Einzug gehalten hat. Wenn die Menschen erfahren, dass es beim Thema Dachbegrünung um mehr als Blumen auf dem Dach, sondern um neue Ökosysteme geht und die Natur in die Städte zurückbringt, ist es für mich vorstellbar, dass sich mehr und mehr Menschen dafür interessieren und dies zu zusätzlichen Aufgaben für Gartenbaubetriebe führen könnte.

Wie hat dir der Kurs bisher gefallen?

Samira Busch: Ich find ihn cool, auch mit dieser Theorie. Klar, die in der Theorie behandelten Themen sind manchmal etwas trocken, aber wir dürfen ja auch praktisch umsetzen, was wir in der Theorie behandeln. Im Endeffekt erhalten wir sehr viele Informationen und man muss sich wirklich anstrengen und gut zuhören. Wir bekommen aber eine super Lehrgangsunterlage, in der wirklich alles zum Thema aufgeführt ist. Wir schreiben da auch unsere eigenen Notizen rein. Das hilft wie ein zweites Lehrbuch. Die praktischen Tätigkeiten im Kurs finde ich sehr gut und auch die Maschinen, die uns zur Verfügung stehen. Wir nutzen hier z. B. einen E-Lader für Transportarbeiten und können ausprobieren, wie dieser funktioniert und effektiv eingesetzt werden kann.