DEULA-Experten-Tipp zum Thema Reinigungs- und Wartungsarbeiten rund um den Gülletransport

Die Gefahr steckt oft in der Routine, oft auch in Unwissenheit. Wenn beides zusammenkommt, kann der Alltag plötzlich lebensbedrohlich werden

In der öffentlichen Wahrnehmung hat Gülle ein denkbar schlechtes Image. Überdüngung der Felder, Belastung des Grundwassers und Bodenbrüter sind ihr schutzlos ausgeliefert. In den Viehhochburgen Deutschlands bedarf sie eines ausgefeilten Güllemanagements. Aber: Sie ist auch wertvoller Dünger und besonders in den eher vieharmen Regionen Deutschlands von Landwirten gern gesehen. Das bedeutet, für Lohnunternehmer stellt sie ein interessantes Geschäftsfeld dar. Logistik und Verteilung stellen hohe Anforderung an die Schlagkraft der Technik. Es wird gelagert, transportiert, zwischengelagert und noch einmal zum Feld gebracht, um nun endlich mit moderner Technik verteilt zu werden. Landwirtschaftlich geschultes Fachpersonal ist im Grunde erst im letzten Arbeitsschritt erforderlich. Für die Lieferkette vom Güllesilo zum Feldrand muss oftmals ein Führerschein CE mit Schlüsselzahl 95 als Qualifikation ausreichen. Dabei bleibt nur allzu leicht auf der Strecke, dass Sicherheit im Umgang mit dem Wirtschaftsdünger nicht nur bedeutet, acht zu geben, dass er sich nicht unkontrolliert „vom Acker“ macht, sondern auch bei der Aufarbeitung zum Transport und bei Reinigungsarbeiten im Fass eine Gefahr für Leib und Leben darstellt. Sucht man im Internet den Begriff „Gülleunfall“, werden spektakuläre Bilder von verunglückten Güllefässern mit großen Kubikmeterzahlen der ausgetretenen Mengen ausgewiesen. Stirbt wieder einmal eine landwirtschaftliche Arbeitskraft den Erstickungstod in einem Güllesilo, finden wir diese Nachricht eher in der Regionalpresse. Es betrifft „nur“ den Arbeiter, seine Familie und sein direktes Umfeld. Da ist das öffentliche Interesse nicht so groß, was aber keineswegs bedeutet, dass diese Unfälle selten sind.

Was passiert wo?

In der Gülle bauen Mikroorganismen die organischen Bestandteile ab. Als Schadgase entstehen dabei stinkendes Schwefelwasserstoff, ein starkes Blut- und Nervengift. Riskante Konzentrationen können die Atmung lähmen und dadurch zum Tode führen. Auf den Geruchssinn ist zum Schutz allerdings kein Verlass, da er beim Arbeiten „im Gestank“ schnell taub wird. Ammoniak riecht stechend und reizt Schleimhäute, Atemwege und Augen. Methan ist geruchlos und kann wie auch Kohlendioxid zur Erstickung führen, indem es den Sauerstoff verdrängt. Bei der Anwesenheit von ausreichend Luftsauerstoff können aus Methan und Schwefelwasserstoff explosive Gasgemische entstehen.

Die Mikroorganismen produzieren diese Gase fortlaufend. Sie sind in der Gülle gelöst und treten durch Übersättigung auch laufend aus, was bei Güllelagerstätten baulich berücksichtigt ist. Riskant wird es, wenn die Gülle schnell oder schockartig bewegt wird. Dann treten, wie bei einer geschüttelten Mineralwasserflasche die Kohlensäure, die gefährlichen Gase in großer Mente und sehr schnell aus. Das betrifft besonders die Situationen, in denen gerührt, gepumpt und gestaut wird. Es bilden sich dabei leicht Räume mit sehr hohen Konzentrationen, die auch über längere Zeiträume „stehenbleiben“ können. Oft sind dann die gefährlichsten Zeiträume nicht direkt während des Arbeitsvorgangs, sondern erst nachdem einige Zeit vergangen ist und das Risiko unterschätzt oder einfach vergessen wird.

Die DEULA rät

Die Mitarbeiter eines Lohnunternehmens sind in erster Linie mit den Gefahren beim Befüllen des Gülletankwagens und dem Transport konfrontiert, was auch die Bereiche der Arbeitskette darstellt, in denen am ehesten nicht landwirtschaftlich qualifiziertes Personal eingesetzt wird. Wie immer muss als erstes der Arbeitgeber sicherstellen, dass die technischen Arbeitsmittel für einen sicheren Ablauf geeignet sind. Dann beginnt die Eigenverantwortung des Arbeiters. Auch wenn alles den Sicherheitsbestimmungen entspricht, ist die Gefahr nicht gebannt, denn Unfälle ereignen sich häufig abseits des Routineeinsatzes bei Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Die regelmäßige Reinigung von Gülletankwagen ist notwendig, um die moderne Ausbringtechnik voll funktionsfähig zu erhalten. Ablagerungen im Tank können durch regelmäßiges Spülen beseitigt werden. Weitere Sicherheitseinrichtungen wie Fremdkörperabscheider usw. sollten regelmäßig hinsichtlich ihrer Funktionsfähigkeit überprüft werden. Sollte bei Wartungs- und Reinigungsarbeiten der Einstieg in das Fass notwendig sein, ist unbedingt zu beachten: Über die Reinigungsöffnung ist der Einstieg in den Tank möglich. Hier besteht die Verletzungsgefahr durch Überdruck. Das Öffnen der Reinigungsöffnung darf nur bei drucklosem Tank (alle Schieber geöffnet) erfolgen. Beim Einstieg und bei Arbeiten im Tank besteht Erstickungs- und Explosionsgefahr. Arbeiten im Fass dürfen nur bei entsprechend gut gelüftetem, geleertem und gesäubertem Fass und bei Einhaltung der einschlägigen Sicherheitsbestimmungen (z.B. Fremdbelüftung, Aufsichtspersonen, Personen im Inneren des Fasses mittels Seil gesichert usw.) durchgeführt werden.